Selbstverantwortung - Wer führt Regie in meinem Leben?
- Barbara Bretschneider

- vor 36 Minuten
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Selbstverantwortung ist zu einem wichtigen Wert für mich geworden. Vielleicht auch deshalb, weil ich im Laufe meines eigenen Lebens und bei meiner Arbeit mit Klienten immer wieder erlebe, wie schnell wir aus den Augen verlieren, was wir selbst tun können.
Selbstverantwortung bedeutet nicht, alles im Leben selbst in der Hand zu haben. Das können wir nicht. Es bedeutet vielmehr, wahrzunehmen, was in unserem Einflussbereich liegt und genau dort bewusst Verantwortung für die eigenen Gedanken, Gefühle, Entscheidungen und Handlungen zu übernehmen.
Wir schauen bei Schwierigkeiten zunächst nach außen
Wenn etwas schwierig wird, richtet sich unser Blick oft zuerst nach außen. Wir erzählen davon, was andere getan oder unterlassen haben. Von der Kollegin, die uns das Leben schwer macht. Von dem Chef, der uns nicht sieht. Von der Partnerin oder dem Partner, die sich einfach nicht verändern wollen. Oder von den Umständen, die gerade gegen uns zu arbeiten scheinen.
Manchmal stimmt all das. Wir erleben Enttäuschungen, Verletzungen oder Situationen, die wir uns wohl niemals ausgesucht hätten. Das Leben verläuft nicht immer so, wie wir es uns vorgestellt hatten, und nicht alles lässt sich mit positivem Denken aus der Welt schaffen.
Schwierig wird es besonders dann, wenn wir darauf warten, dass andere den ersten Schritt machen. Dann geraten wir leicht in eine Warteschleife. Wir hoffen - oft unbewusst - auf Veränderung im Außen, bevor wir selbst wieder bewusster ins Handeln kommen.
Man denkt immer wieder über dieselbe Situation nach, erzählt sie verschiedenen Menschen, sucht nach Erklärungen oder Schuldigen. Das kann kurzfristig entlasten, verändert langfristig jedoch selten etwas. Denn unsere Aufmerksamkeit bleibt bei dem, was außerhalb unseres Einflusses liegt.
Die Regie für das eigene Leben übernehmen
Ein Satz begleitet mich schon lange: "Ich bin der Regisseur meines Lebens."
Mir gefällt dieses Bild. Denn wir können zwar nicht alles bestimmen, was in unserem Leben passiert. Aber wir können dabei mitwirken, wie unsere Geschichte weitergeht. Bei meinen Klienten löst dieser Satz oft eine gewisse Befreiung aus. Er kann ermutigen. Denn auf einmal wird deutlich, wo der eigene Einfluss beginnt.

Wir können andere Menschen nicht dazu bringen, sich zu verändern. Wir können Ereignisse nicht ungeschehen machen. Aber wir können prüfen, welche Handlungsmöglichkeiten wir selbst haben.
Vielleicht setzen wir zum ersten Mal eine Grenze. Vielleicht sprechen wir etwas aus, das wir lange zurückgehalten haben. Vielleicht treffen wir eine Entscheidung, vor der wir uns bisher gedrückt haben. Oder wir erkennen, dass wir eine Situation zwar nicht verändern können, wohl aber unseren Blick darauf.
Für mich liegt genau darin Selbstverantwortung: Wir können uns bewusst damit auseinandersetzen, wie wir auf etwas reagieren möchten.
Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. — Viktor E. Frankl
In schwierigen Situationen haben wir drei Möglichkeiten: verändern, verlassen oder annehmen
Wenn wir ehrlich sind, gibt es in einer festgefahrenen Situation drei Möglichkeiten: Wir verändern etwas. Wir verlassen die Situation. Oder wir versuchen, sie anzunehmen.
Und eigentlich wünschen wir uns oft noch eine vierte Möglichkeit: dass sich die Situation irgendwann schon von selbst verändert... Dass andere Menschen ihr Verhalten überdenken. Oder dass die Zeit das Problem schon lösen wird. Manchmal geschieht das tatsächlich. Oft jedoch nicht. Und damit steigt meist auch der Leidensdruck…
Vielleicht ist es an der Zeit, eine Situation zu verändern. Vielleicht braucht es auch den Mut, sie zu verlassen. Und manchmal liegt die größte Kraft tatsächlich darin, etwas zu akzeptieren, das sich im Moment (noch) nicht verändern lässt.
Keine dieser Möglichkeiten ist leicht. Jede verlangt etwas von uns und jede hat ihre Konsequenzen. Doch sie alle haben gemeinsam, dass wir die Haltung des Abwartens oder gar Aushaltens verlassen und wieder beginnen, unseren eigenen Handlungsspielraum wahrzunehmen. Denn wenn aus dem Aushalten ein dauerhaftes Verharren wird, kann sich zunehmend das Gefühl einstellen, ohnmächtig zu sein – bis hin zu einer Opferhaltung, in der wir die eigenen Möglichkeiten etwas zu bewegen kaum noch wahrnehmen.
Meine Handlungsspielräume entdecken – was kann ich jetzt tun?
In meiner Arbeit begegnen mir Menschen, die wieder ins selbstbestimmte Handeln kommen möchten. Sie sehnen sich nach Klarheit. Sie möchten verstehen, warum sie immer wieder in dieselben Muster geraten, Entscheidungen vor sich herschieben oder sich zwischen den Erwartungen anderer und den eigenen Bedürfnissen verloren haben.
Es kann dann helfen, sich Unterstützung zu holen. Ein klärendes Gespräch zu führen. Sich eine Pause zu erlauben. Einen Gedanken einmal loszulassen, der schon lange Kraft kostet.
Mich berührt es jedes Mal, wenn sich in einer Beratung der Blick meiner Klienten langsam verändert. Wenn aus „Warum passiert mir das?“ oder „Wieso schon wieder ich?“ allmählich Fragen auftauchen wie: „Was brauche ich eigentlich?“ oder: „Was liegt bei mir und welchen Weg möchte ich jetzt gehen?“
Das ist für mich gelebte Selbstverantwortung.
Selbstverantwortung – erkennen, was in unserer Hand liegt
Oft ist es nur eine kleine Entscheidung. Ein klares Nein, ein ausgesprochenes Bedürfnis oder der Mut, etwas zu verändern. Und manchmal bedeutet Selbstverantwortung auch, anzuerkennen, dass wir eine Situation nicht verändern können – und trotzdem zu entscheiden, wie wir mit ihr umgehen möchten.
Dabei ist wichtig, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse kennen und achten. Denn wenn wir sie aus den Augen verlieren, übergehen wir häufig auch unsere Grenzen. Und irgendwann merken wir, dass wir uns selbst dabei immer weiter entfernen – von dem, was uns guttut, was uns trägt und was uns inneren Halt gibt.
Wir können entscheiden, wo wir Grenzen setzen. Was wir nicht länger mittragen möchten. Wofür wir unsere Energie einsetzen. Und manchmal auch, wann es Zeit ist, eine Szene zu verlassen und eine neue zu beginnen. Vielleicht finde ich das Bild vom Regisseur deshalb so passend: Wir schreiben nicht jede Szene selbst. Aber wir können mitgestalten, wie wir darin auftreten.
In meiner Arbeit begleite ich Menschen an solchen Wendepunkten. Ich höre zu, stelle Fragen und ermutige dazu, den eigenen Handlungsspielraum wieder zu entdecken. Ich denke Selbstverantwortung beginnt genau mit dem Moment, in dem wir aufhören zu warten und uns selbst (wieder) als Regisseur im eigenen Leben wahrnehmen.
Ich bin Systemische Beraterin (DGSF-zertifiziert) und unterstütze Menschen in herausfordernden Lebensphasen. Es macht mir große Freude, Menschen zu ermuntern, die Stolpersteine auf ihrem Lebensweg als Chance zum Wachsen und Weiterkommen zu erkennen.
Gerne können Sie sich einen Termin für ein kostenfreies Erstgespräch bei mir reservieren.


