Auch das überstehe ich - Über die Kraft der Zuversicht
- Barbara Bretschneider

- vor 16 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Was lässt Zuversicht entstehen?
Das Wort Zuversicht stammt aus dem althochdeutschen Begriff zuofirsiht und bedeutete ursprünglich "ehrfurchtsvolles Aufschauen" und ein "Voraussehen auf die Zukunft". Heute verstehen wir darunter vor allem ein inneres Vertrauen darauf, dass sich etwas zum Guten entwickeln kann.
Selten entsteht Zuversicht jedoch in Phasen, in denen uns alles gelingt oder die Welt "in Ordnung" ist. Nicht, wenn Pläne aufgehen, Beziehungen leicht sind oder der Weg klar vor uns liegt.
Zuversicht wächst oft im Danach:
Nach einer Zeit, die wir uns so nicht ausgesucht hätten.
Nach einer Enttäuschung.
Nach einem Verlust.
Nach einem inneren Ringen.
Und manchmal erst, wenn wir irgendwann rückblickend bemerken: Ich bin noch da.
Dann zeigt uns das Leben etwas Wichtiges: Wir können mehr tragen als wir dachten.
Zuversicht ist keine Eigenschaft
Viele Menschen glauben, Zuversicht sei eine Eigenschaft. Etwas, das man hat - oder eben nicht. Doch meistens entsteht und wächst sie erst im Laufe des Lebens. Nicht aus dem Sicherheitsgefühl, sondern aus Erfahrung. Aus den Momenten, in denen wir dachten: Ich schaffe das nicht.
Und irgendwann, leise: Ich habe es überstanden.

Vielleicht kennst Du dieses Staunen danach? Ein Aufatmen. Zu erleben, dass man mit Schwierigkeiten umgehen kann - und dass etwas in Dir Dich trägt.
Hier beginnt Vertrauen. Nicht die Gewissheit, dass alles gut ausgeht. Sondern die Erfahrung, dass selbst wenn es schwer wird, Du einen Weg finden wirst.
Zuversicht heißt nicht, dass nichts Schmerzhaftes mehr geschieht. Sie bedeutet: Ich bin ihm nicht mehr völlig ausgeliefert.
Und genau deshalb entsteht sie oft erst nach einem Wendepunkt im Leben.
Neue Wege wagen - selbst wenn es sich wie eine Sackgasse anfühlt
Manchmal ziehe ich nach langer Zeit ein bestimmtes Buch aus dem Regal. Neulich war es „Geh, wohin dein Herz dich trägt“ von Susanna Tamaro. Ein langer Brief der Großmutter Olga an ihre Enkelin Marta, die aus der Enge der Familienzwänge nach Amerika geflohen ist. Ein berührendes Vermächtnis voller Liebe und Weisheit auf ein Leben mit verpassten Chancen und emotionaler Kälte, Schuld, Reue..
An einer Stelle im Buch schreibt Olga an ihre Enkelin: Weißt du, welchen Fehler man immer wieder macht? Den, zu glauben, das Leben sei unwandelbar, und wenn man einmal einen Weg eingeschlagen habe, müsse man ihn auch zu Ende gehen. Das Schicksal hat viel mehr Phantasie als wir. Gerade wenn Du glaubst Du befändest Dich in einer ausweglosen Situation, wenn Du den Gipfel höchster Verzweiflung erreichst, verändert sich mit der Geschwindigkeit eines Windstoßes alles, dreht sich, und plötzlich lebst Du unvermutet ein neues Leben.
Diesen Gedanken der Großmutter habe ich mir schon vor vielen Jahren aufgeschrieben. Ich finde ihn sehr tröstlich. Auch in meinen Gesprächen mit Menschen, die an Wendepunkten stehen, erlebe ich das häufig. Gerade wenn sich bei jemandem etwas ganz endgültig anfühlt — eine Trennung, eine berufliche Sackgasse, eine familiäre Erschütterung — entsteht innerlich Enge. Die Zukunft scheint festgelegt.
Doch das Leben ist beweglicher als wir denken.
Wir können uns immer wieder neu ausrichten. Besonders in herausfordernden Zeiten . Nicht, weil plötzlich alles gut wird. Sondern weil wir lernen können mit dem, was geschieht in Resonanz zu gehen und daran zu wachsen. So entsteht Zuversicht.
Zuversicht wächst aus gelebter Erfahrung
Krisen hinterlassen nicht nur Angst, Erschöpfung oder Verlust. Manchmal werden sie auch zu einer stillen Kraftquelle.
Denn ich erinnere mich daran:
Ich habe mich schon einmal neu orientiert.
Ich habe schon einmal Abschied genommen.
Ich habe schon einmal wieder angefangen.
Zuversicht ist eben kein naiver Optimismus, sondern Vertrauen.
Auch wenn ich jetzt noch nicht weiß, wie es weitergehen wird, so ist da diese leise Gewissheit. Ich vertraue darauf, dass ich auch dies überstehen kann. Und dass sich die Dinge auch (wieder) zum Guten wenden können.
Eine erste Spur
Vielleicht stehst Du gerade selbst an so einem Punkt. Zwischen Festhalten und Loslassen. Zwischen dem Alten, das nicht Dich mehr richtig trägt, und dem Neuen, das noch keinen Namen hat.
Dann musst Du noch nicht wissen, wie alles weitergeht.
Vielleicht reicht Dir heute diese Frage: Was hat Dir in Deinem Leben schon einmal geholfen, eine schwere Zeit zu bewältigen?
Genau dort beginnt oft die erste Spur der Zuversicht.Und manchmal bereits ein Wendepunkt.
Wenn Du Dir dabei Unterstützung wünschst - sprich mich gerne an!
BARBARA BRETSCHNEIDER
Beratung an Wendepunkten
Zertifizierte Systemische Beraterin und Coach


